Beziehungen oder lebendige Begegnungen?

In dem Dorf, in dem wir leben gibt es einen Bäcker. Wenn ich am Morgen, nach meinem Waldspaziergang mit unserer Labradorhündin Paula den Weg durchs Dorf wieder nach Hause laufe, habe ich manchmal unbändige Lust auf eine frische Semmel. Meistens ist es noch ganz früh am Morgen und der Tag erwacht gerade und die nette Bäckereiverkäuferin steht freundlich lachend hinter der Theke. Wenn ich eintrete, begrüßt sie mich und streckt sich sogleich ans Fenster und schaut nach Paula, die vor dem Laden sitzt und wartet. Wir wechseln dann einige Worte über unsere Befindlchkeiten und dem Wetter, wünschen uns gegenseitig einen schönen Tag und ich verlasse den Laden mit einem richtigem Wohlgefühl in der Herzgegend.
Dieses einfache Beispiel der Begegnung mit der Bäckereiverkäuferin beschreibt eine alltäglich, aber echte, respektvolle und herzliche Begegnung, es ist nicht nur eine Interaktion zwischen Kundin und Verkäuferin, sondern viel mehr ein Kontakt von Mensch zu Mensch. Und solche Arten von Begegnungen machen glücklich, weil dabei ein kurzer aber offener Austausch stattfindet, der unsere menschlichen Seelen nährt.

Als wir nach einen Namen für unsere Wildnisschule suchten, wusste ich, er muss der Begriff „Begegnung“ beinhalten. Daraus wurde dann schnell „Naturbegegnungen“
Eben diese achtsame, wertschätzende Begegnung mit der natürlichen Welt. Eine ehrliche Begegnung mit und unter den Menschen in der Natur wollten wir initiieren. Wir hatten die Vision ein Netzwerk auf zu bauen, jedoch auf dem Fundament einer Gemeinschaft, in der Herzensbegegnungen stattfinden können, da eben diese notwendig sind, jeden Menschen groß und klein in seiner Persönlichkeit zu sehen und zu stärken.
Dieses Thema treibt mich seit meiner eigenen Schulzeit um, denn ich litt unter der Tatsache als junger Mensch als Objekt behandelt worden zu sein. Es gab nur wenige Lehrer, die sich uns Schülern selbst zeigten, menschlich und inspiriert lehrten und diese wenigen waren uns Mentoren, die uns weit über den Lehrplan hinaus begleiteten.
Anderen Menschen subjektiv begegnen und sie nicht als Objekt behandeln, wie es der Hirnforscher Gerald Hüther, Gründer der „Akademie für Potentialentfaltung“, wissenschaftlich ausdrückt. Wären mir seine Forschungsergebnisse und die Akademie damals schon begegnet, ich hätte als Jugendliche weniger an mir selbst gezweifelt und mich nicht als „anders“ gesehen.

Egal in welche Ecke unserer Gesellschaft ich schaue, diese Tatsache der fehlenden echten Begegnungen gibt es in allen Bereichen. Begonnen bei jungen Müttern, die eine unsichere und unnatürliche Beziehung zu ihrem Neugeborenen haben,  in den Kinderkrippen, Schulen, sozialen Einrichtungen, Arbeitsstellen, Familienstrukturen…und auch die Schutzsuchenden, die zu uns nach Deutschland kommen, werden zu Objekten gemacht und sollen mit dieser Behandlung so leicht wie möglich integriert oder so schnell wie möglich abgeschoben werden.

Und wie sieht es in unseren Lebensgemeinschaften, Ehen und Partnerschaften aus? Sind meine Begegnungen lebendig und herzlich oder führe ich „nur“ eine Beziehung mit dem Menschen an meiner Seite?

Selbst in einem Waldkindergarten, in dem ich tätig war, gab es keine echten Ich-Du-Beziehungen und die Kinder wurden bewertet, manipuliert und für eigenen Zwecke geformt und zu Objekten der Maßstäbe der Erzieher gemacht, dass es für mich unerträglich wurde. Diese Verhaltensweisen und Ich-Es-Beziehungen wurden natürlich auch unter „Kollegen“ praktiziert.

Ein Kind, welches früh lernt nicht angenommen zu werden, wie es ist, verliert sein Zugehörigkeitsgefühl und die Beziehung zu sich selbst und zu anderen Menschen. Diese Kinder finden die Lösung dafür dann irgendwann in sich selbst und machen sich zu Objekten ihrer eigenen Bewertungen, in dem sie sich selbst als blöd und wertlos bezeichnen. Solche Verhaltensweise kennt leider jeder von uns.

Und so drehen sich die Beziehungsräder in einer Gesellschaft, die über Gutmenschen, Idealisten und Herzensmenschen belustigt witzelt. Doch sind wir mal ehrlich, genau diese Gutmenschen sind es, die ehrlich eine Begegnung von Mensch zu Mensch versuchen, jedem seine eigene Subjekthaftigkeit zugestehen, um in echten Kontakt zu treten und ohne Macht über den anderen erreichen zu wollen.

Ich würde mir eine neue Begegnungskultur wünschen und ich glaube fest daran, dass nur diese echten Herzensbegegnungen unsere Gesellschaft achtsamer und zufriedener machen können. Ich-Du Begegnungen öfffnen die Herzen und es können Beziehungen entstehen mit offenem und wahrhaftigen Austausch. Dadurch werden Ängste weniger und jeder kann den Frieden in seinem eigenen Herzen finden, um ihn dann weiter zu tragen.

„Naturbegegnungen“ steht für diese neue Begegnungskultur und möchte einen Raum schaffen, in dem wir lebendige Beziehungen lernen und leben können. Wir sind überzeugt, dass durch unterstützende und bestärkende Begegnungen und vielfältige Gemeinschaftserfahrungen sich jeder Einzelne bestmöglich entfalten und entwickeln kann.

Mich würde interessieren, wie du darüber denkst und ob du Erfahrungen mit Beziehungen und Begegnungen mit uns teilen möchtest!

Ich wünsche dir einen Tag mit vielen lebendigen Begegnungen!

Sabine

 

 

 

 

 

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