Lebendiges wildes Naturhandwerk

Als Kind mochte ich die Besuche bei Verwandten in der Nachbarortschaft besonders gerne. Vor allem in den noch kühleren Jahreszeiten. Sie lebten in einem schönen Bauernhaus und waren Korbmacher. In ihrer großen Wohnstube stapelten sich Körbe und überall im Raum lag ihr Arbeitsmaterial, verschieden farbige Weidenruten, Weidenschnipsel und der Geruch der frischen Weiden, vermischt mit Kaffeeduft und Holzofenqualm lag im Raum.

Während sich die Erwachsenen unterhielten, spielten wir Kinder mit den Weiden, flochten wilde Skulpturen, Kugeln und Körbchen, die eher Vogelnestern glichen. Wir wurden zu fleißigen Korbmachern und versunken in das Handwerk. Mir gefielen diese glatten biegsamen Weiden, mit denen sich so viele unterschiedliche Dinge formen ließen. Meistens durfte ich auch welche mit nach Hause nehmen. Die bearbeitete ich dann in unserem Gartenhaus, dass für einige Zeit zu meiner Korbmacherwerkstatt wurde.
Die Korbmacherei ist in unserer Gegend weit verbreitet und meine Heimatstadt ist eine traditionelle Korbmacherstadt mt einer Schule für Flechtwerkgestaltung und einem jährlichen Flechtkulturfestival. Die Tradition der heimischen Korbmacherei kämpft hart um ihre Handwerkstradition und die nötige Wertschätzung dafür, denn wie mittlerweile fast überall werden die handwerklich hergestellten Körbe von Billigprodukten aus Asien verdrängt.

In unserer Wildnisschule ist uns das traditionelles Ur-Handwerk unserer Vorfahren sehr wichtig und wir lieben es, altes Naturhandwerk mit einfachen Werkzeugen um zu setzen.
In den Naturmentoring-Gruppen flechten wir vom Frühjahr bis Sommer mit Weiden und anderem Naturmaterial, das wir in der nahen Umgebung ernten. So erfahren wir im Naturhandwerk einen ganzheitlichen Verarbeitungsprozess und einen tiefgehende Tätigkeit, die zur tiefen Naturverbindung führt.
Letztes Wochenende haben wir im „Mädchenkreis“ auch mit Weiden wilde Geflechte hergestellt. Die Mädchen haben Rankhilfen geflochten und sich von dem natürlichen, flexiblen Material begeistern lassen. Das wilde Naturhandwerk hat sie einen Nachmittag völlig eingenommen. Die zarten und fleißigen Mädchenhände konnten spüren wie beschwerlich diese Arbeit werden kann und sie probierten sich aus und gaben sich absolut ihrer Kreativität hin. Als die Rankhilfen fertig waren, ließen sie die wilden Weidengeflechte im Topf stecken und säten noch Kapuzinerkressesamen in die Erde ein. Jetzt freuen wir uns schon sehr darauf zu beobachten, was aus den lebendigen Kunstwerken wird!

 

In meinem Buch „Wildes Naturhandwerk“ gibt es eine Anleitung für das wilde Geflecht mit Weiden und auch eine detaillierte Flechtanleitung für einen Korb aus Fichtenwurzeln, ein anderes wunderschönes Flechtmaterial aus der Natur.
Wer sich im Flechten ausprobieren möchte, sollte jetzt nach Weiden an Bachufern Ausschau halten, bevor sie vollständig austreiben. Unter den hoch gewachsenen Trieben findet man oft noch junge gerade Ruten, die sich leicht verflechten lassen. Oft entdeckt man jetzt im Frühjahr auf Spaziergängen in der Natur auch bereits geschnittene Weiden, die aufgehäuft in der Wiese liegen. Es werden nicht viele benötigt und ein kleiner Bündel reicht schon aus.

Probiere es aus und erzähle von deinen Flechtkunstwerken!

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