Von altem Brauchtum und Herzenswegen…

Alle Jahre wieder bereite ich mich mental auf die heiligen Nächte vor, um mit einer Rückschau auf das ausklingende Jahr und einer Vorausschau für das kommende, neue Jahr durch die Rauhnächte zu gehen. Dafür hole ich mir mein Tagebuch des Jahres hervor und lese nochmals die Einträge der vergangenen Monate. Das ist manchmal ein schmerzhafter Prozess, aber sorgt auch für viele schöne Erinnerungen an Begegnungen, Beobachtungen, Ereignisse, Aktivitäten, Projekte der letzten 12 Monate. Oft wird dieser Prozess mit in die 12 heiligen Nächte genommen und täglich eine Rückschau gehalten, um wirklich bewusst mit dem Vergangenen ab zu schließen. Für mich ist es in den letzten Jahren zu einem persönlichem Ritual geworden, die Monate vor der Woche vor der Wintersonnenwendfeier ab zu schließen. Dieser Prozess ist für mich deshalb so wichtig geworden, da in der letzten Woche vor Weihnachten alle Kinder, Geschwister und Freunde unserer Natur-und Wildnisschule zusammenkommen, um Rückschau auf das vergangene gemeinsam erlebte Jahr zu halten, sich zu Bedanken und den Herzensweg eines jeden einzelnen zu verfestigen, um gestärkt in der Kraft der Gemeinschaft in ein neues Jahr zu starten.
Eine unserer Jahresmentoring-Gemeinschaften ist der Frauenkreis. Die regelmäßigen Treffen im Kreis der Frauen erfahren eine stärkende wechselseitige Unterstützung, Inspiration und Vertrautheit. In diesem Raum sammeln sich aber auch unsere Erfahrungen, unsere Visionen, unsere Träume und Wünsche. Um die Zeit der Wintersonnenwende kommen die Frauen im Kreis am Feuer zusammen, um sich noch einmal tief miteinander zu verbinden, ihre Dankbarkeit aus zu drücken, um das vergangene Jahr gemeinsam zu feiern und dann friedvoll los zu lassen um wieder selbst bestimmt, mit gebündelter Energie und voller Lebenslust auf ihrem weiblichen Weg weiter zu gehen.

In unserem Naturcamp haben wir einen Ort geschaffen, der den Kindern und ihren Familien, die zu uns kommen einen vertrauten Raum für die Gestaltung von Ritualen im Jahreskreis schenkt. Einen solchen Ort zu schaffen, der Menschen und besonders kleinen Erdenkindern einen offenen Platz bietet, der alle Willkommen heißt, war schon immer meine Herzensvision gewesen. Und ich bin aus tiefsten Herzen dankbar, dass ich mir dies erfüllen konnte. Dankbar den Menschen, die mich auf dem Weg begleiten und unterstützen und mir das ermöglichen.

Jedes Jahr zur Wintersonnenwende kommt traditionell diese Gemeinschaft von Menschen zusammen, um ein Ritual zum Jahresabschluss zu feiern. Die Energie am Platz verwandelt sich in ein lebendiges Wuseln, die Kinder bringen Leichtigkeit und gespannte Erwartung mit, während die kleinen Geschwister staunend beobachten, wie die älteren Kinder das Feuer entzünden. In diesem Jahr schmückten wir einen Zeremonieplatz mit einer Feuerschale in der Mitte als Symbol für die Geburt des Lichtes und einer Spirale für den Herzensweg eines jeden. Leises Trommeln lud groß und klein ein sich dort im Kreis um das Feuer zu versammeln. Für jede Himmelsrichtung wurde ein Licht entzündet und nach einigen Worten der Dankbarkeit und Begrüßung und einer kleinen Geschichten über die Wintersonnenwende übernahmen einige Mädchen und Jungen die Einladungen an die Himmelsrichtungen und an die Elemente.
Mit Einsetzen der Trommel und in feierlicher Atmosphäre brachte nun jeder Einzelne seine Herzenswünsche in die Mitte, durch die Spirale ins Licht. Goldenes Reh, ein Junge aus der Waldläuferbande betrat mit mir gemeinsam den Kreis und beim Verlassen raunte er mir mit großen Augen zu: „Früher haben das die Menschen genauso gemacht wie wir jetzt…“
Wenn Kinder ausdrücken, was sie bei Ritualen empfinden, wird mir klar, wie leicht es ihnen gelingt in die Zwischenwelten einzutauchen und, dass sie Wahrnehmungen haben die Erwachsenen schon längst verschlossen bleiben und ich empfinde mich großartig beschenkt.
Wie ein Ritual fühlbar begonnen wird, so sollte es auch wieder beendet werden und unsere Hände verbanden sich im Kreis, um gemeinsam ein Lied zu singen.

Es gab süße Leckereien aus der Weihnachtsbäckerei, die mit einem Becher Früchtepunsch in gemütlichem Zusammensein am Feuer geteilt  wurden  und es entstanden Gespräche  unter den Kindern und Familien. Es wurde musiziert und es rührte  mich im Herzen, wie natürlich Gemeinschaft entsteht.
In die Weihnachtszeit und zu den Abenden am Feuer gehören unbedingt Geschichten, deshalb gab es zum Abschluss  noch eine besondere Geschichte, die diese heilige Zeit der Liebe und des Friedens in die Menschen bringt. Die Friedensstifter-Geschichte symbolisch dargestellt für die Kleinsten oder in diesem Jahr beantwortete die Geschichte die Frage, weshalb manchmal kleine Pelzchen verschenkt werden.
Erfüllt und glücklich und mit einem kleinen weichen Pelzchen in der Tasche und einem fröhlichen Lied im Herzen verabschiedeten wir uns am Abend voneinander, mit der Vorfreude darauf im neuen Jahr wieder an unserem vertrauten Platz zusammen zu kommen.

Mit diesem großen Geschenk im Herzen beginne ich im Kreis meiner Familie die heiligen Nächte. Getragen von den wertvollen Augenblicken und Begegnungen in den Tagen der Wintersonnenwendenzeit und gestärkt mit einer zufriedenen Vorausschau für meinen Herzensweg…

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